Aktuelles
Ruf der Hoffnung: „Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe werben“, EG 428
Wir singen Vers 1 des Liedes „Komm in unsre stolze Welt“
Komm in unsre stolze Welz, Herr, mit deiner Liebe Werben,.
Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben,
Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.
Hans Graf von Lehndorff (1910-1987), der den Liedtext als Gebet schrieb, war Mitglied der Bekennenden Kirche, Chirurg und Schriftsteller und leitete ein Lazarett in Königsberg, seine Erlebnisse von 1945 bis 1947 nach der Eroberung durch sowjetische Truppen beschrieb er in seinem Buch „Ostpreußisches Tagebuch“. In Bad Godesberg leitete er eine Klinik und arbeitete nach seiner Pensionierung als Krankenhausseelsorger. Er war Mitglied des Johanniterordens und dichtete 1968 „Komm in unsre stolze Welt“.
1968 War die Zeit der studentischen Protestbewegung, einer außerparlamentarischen Opposition, für Frieden und Umweltschutz, Frauenbefreiung und antiautoritäre Erziehung - gegen die unaufgearbeitete nationalsozialistische Vergangenheit, gegen die Verabschiedung der Notstandsgesetze und Atomwaffen, gegen die Wehrpflicht und die Beteiligung der USA am Vietnam-Krieg.
Aus welcher Perspektive nehme ich die Welt wahr?
Aus der Perspektive der Frau in der Einkaufszone, die die Abfalleimer nach Flaschen durchsucht? Aus der des Managers, der sich darüber freut, dass seine Tantiemen steigen? Aus der des Jugendlichen, der auf die Frage, was er werden will, antwortet: „Hartz 4 Empfänger“? Aus der eines Pfarrers mit gesichertem Einkommen? Aus der eines Soldaten in der Ukraine oder im Gaza-Streifen? Aus der eines Flüchtlings aus Syrien?
Kann ich die Perspektive wechseln, kann ich die Lebenssituation anderer Menschen wahrnehmen, auch wenn ich sie nicht teile?
Wo bist du Gott in unserer Welt? Wo kann ich dich suchen?
Wo erfahre ich deine Gegenwart und wo dein Spuren auf dieser blutgetränkten Erde?
*Ein kleines indisches Mädchen aus einem Elendsviertel in Kalkutta sagt: Gott kommt jeden Tag zu mir in einer Handvoll Reis.
*Ein 5-jähriger fragt im Kindergarten: Warum hören die nicht auf mit dem Krieg und reichen sich die Hände?
*In Israel arbeiten israelische und palästinensisch Frauen zusammen in einer Friedensgruppe
*Im „House of One , einem Graswurzelprojekt von der Basis in Berlin arbeiten Menschen interreligiös gegen Antisemitismus und Judenfeindlichkeit
*Juden, Christen und Muslime engagieren sich gemeinsam in deutschen Städten für den Frieden „shalom, Frieden, Salam“
*Im „House of One“ im Heiligen Land leben Juden, Christen und Muslime gemeinsam und beten für den Frieden“
*In Tiflis entsteht eine Interreligiöse „Friedenskathedrale“
*In Deutschland geben christliche Gemeinden Zuflucht im Kirchenasyl.
.
Ich glaube nicht denen, die Waffen einsetzen, um ihre Interessen durchzusetzen, von Frieden sprechen und Eroberung meinen. Frieden konnte noch nie und kann nicht mit Waffen geschaffen werden, sondern fordert immer mehr Tote und Opfer und vergeudet Geld, das dringend benötigt wird im Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheiten auf der Welt.
Das ist mit Unverstand gemeint.
*Menschen engagieren sich ehrenamtlich in der Tafel, in Hospizen, in Behinderteneinrichtungen, in Kosumgenossenschaften, in Fair Trade Gruppen, in Alternativ Banken wie z.B. die Bank „Schenken und Leihen“, in Tauschringen, im Kirchenasyl.
Ich könnte noch lange weiter erzählen von Bespielen in denen sich Frieden und Gerechtigkeit küssen. Wenn wir genau genug hinsehen in unsere Welt, dann entdecken wir viel mehr Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht und Ermutigung, als wir ahnen
Und wenn ich selbst nicht mehr in der Lage bin, mich einzusetzen für Frieden und Gerechtigkeit? Dann kann ich daran denken und dafür beten, dass Frieden und Gerechtigkeit sich küssen. Diese Gebete sind und bleiben nicht wirkungslos. Darauf vertraue und daran glaube ich. So bist du Gott in Gedanken und Gebeten:
Gott, bist du in diesen Gruppen und Menschen in unsere Welt gekommen?
Oder ist das ein vermessener Gedanke? Bist du der Mensch gewordene in diesen Menschen, dann muss ich nicht singen „Komm in unsere stolze Welt“, weil du längst da bist?
Auch an der Seite der Multimillionäre und der Rüstungsindustriellen als Ermutigung zum Teilen und zur Umkehr?
Gott, du überwindest nicht Macht und Geld, wenn wir Menschen uns nicht dafür einsetzen. Ich glaube daran, dass du an meiner Seite bist als Freund und Helfer, Mahner, Beistand und Trost, dann ermutigt mich das, dann muss ich nicht verzweifeln: Was können Minderheiten sonst schon ausrichten gegen Macht und Geld?
Wir singen Vers 2:
Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache,
dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache.
Schaff aus unsrem Überfluss Rettung dem, der hungern muss.
Die Schere zwischen arm und reich geht in unserem reichen Land immer weiter auseinander, die Tantiemen von Vorständen der Aktiengesellschaften steigen und die Armen werden immer ärmer. Ursache dafür ist nicht der Mangel an Geld, sondern seine ungleiche und ungerechte Verteilung. Unser Gott begegnet uns in den Armen und Schwachen. Er weist uns unmissverständlich darauf hin, gleich wer du bist und gleich wie du lebst, versuche die Welt, die Kirche, die Gesellschaft mit den Augen der Geringsten in unserer Gesellschaft zu sehen. Geh in die Altersheime, geh in die Jobcenter, geh in die Flüchtlingsunterkünfte und Obdachlosensiedlungen, sieh wie diese Menschen leben, nimm sie wahr, rede mit ihnen und du erfährst, wie es um ihre Würde bestellt ist, spüre deine Verantwortung, dann wirst du erkennen, wie gerecht oder ungerecht unsere Gesellschaft ist.
Eine Gemeinde, die Arme liebt und Schwache, wird nicht auf Dauer Kirche für die Armen und für die Menschen am Rande sein, die immer zu spät kommt, wenn Menschen schon arm, krank, obdachlos und elend geworden sind. Sie wird über die Kirche mit den Armen zur Gemeinschaft der Armen werden, die auch danach fragt, wie verhindert werden kann, dass Menschen arm und elend werden. Sie wird nicht freiwillig auf ihren Besitz verzichten. Sie wird ihren Besitz und Reichtum verlieren, weil sie in Konflikt gerät mit Ämtern und Behörden und mit wirtschaftlich Mächtigen.
Sie wird hoffen, dass die Teufelskreise vernichtet werden, die Menschen dazu verführen, eher das Technikmögliche als das Menschenmögliche zu tun, Rentabilität und Gewinn für wichtiger zu halten als Leben, Unversehrtheit und Gesundheit des Menschen und als den sanften Umgang mit der Natur und Mitwelt des Menschen.
Die christliche Gemeinde wird dann auch entdecken, dass Hass, Gewalt, Krieg und Rüstung Auswüchse des Wohlstands und des sogenannten Wirtschaftswachstums sind. Sie wird erfahren, dass die Hoffnung auf Frieden am Evangelium der Armen hängt. Leidtragende und Opfer der Rüstung sind auch und gerade die Armen.
So wird für mich die Frage „Wo bist du Gott?“ zum Schrei nach der Gerechtigkeit.
Ja, die ganze Frage, ob es Gott gibt oder nicht, ist für mich eine leere Frage. Entscheidend ist der Schrei nach Gerechtigkeit von unten, der identisch ist mit der Frage nach Gott.
Dieser Schrei nach Gerechtigkeit verstummt häufig und wird oft unterdrückt. Aufgabe der christlichen Gemeinde ist es, ihn öffentlich zu machen. Nicht der barmherzige Gott, der sich den Armen zuwendet, steht dann im Mittelpunkt des Bekennens, sondern der Gott, der die Hoffnung der Armen ist und mit ihnen nach Gerechtigkeit schreit.
Die Gemeinschaft der Christen verwirklicht sich da, wo Menschen am Rande nicht resignieren müssen, wo sie hoffen können, wo eigentlich nichts mehr zu hoffen ist.
Diese Gemeinschaft der Christen wird gelebt und besprochen, erzählt und erfahren, gefeiert und erkämpft im täglichen Kleinkram. Wer im täglichen Elend seinen Nächsten begegnet und ihn kennenlernen kann, wer Auseinandersetzungen um Gerechtigkeit durchsteht, der erlebt geübte Gemeinschaft in kleinen Dingen.
Wir singen Vers 3
Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte,
dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte
für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit
Menschen in ausweglosen, menschenunwürdigen Situationen verstummen. In der lauten Stadt mit Händlern und Marktschreiern, mit shoppenden Kunden werden Obdachlose und Bettler an den Rand der Stadt transportiert, damit sie den Genuss der Einkaufenden nicht stören. Menschen am Rande der Gesellschaft haben keinen Mut mehr, weil sie zusätzlich zu ihrem menschenunwürdigen Leben von sich selbst nichts mehr erwarten. Viele von ihnen erwarten nicht mehr, dass sich etwas ändert. Sie haben die von der Gesellschaft ihnen zudiktierte Schuld übernommen, sie identifizieren sich mit ihrer Lage. „Die da oben machen ja doch mit uns, was sie wollen.“ Sie erwarten nichts mehr von sich, aber auch nicht alles von Gott. Sie versuchen im Alltag über die Runden zu kommen. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“.
Sie haben keine Sicherheiten, keine eigene geistliche Kraft, Erfahrung, Erkenntnis, auf die sie sich berufen, deren sie sich trösten könnten. Sie sind verstummt.
Daher gilt: „Tu den Mund auf für die Stummen!“ (Spr 31,8). Daher gilt: „Da redete der Stumme und das Volk wunderte sich.“ (Lk 7,9).
Komm mit deines Schweigens Mitte: Schweigen ist etwas Anderes als Verstummen!
Eine Theologie, ein Glaube und eine Kirche, die vom und durch das Wort leben, müssen das Schweigen erst wieder entdecken, denn: „Am Anfang war das Wort“.
Im Lärm der lauten Stadt braucht Schweigen Stille. Vermutlich war die Welt nie lauter als sie zurzeit ist. Der äußere Lärm spiegelt sich im inneren Lärm unseres Denkens wider. Wir sind oft in Gedanken verloren.
Wenn wir bewusst schweigen, kommen wir mit unserer inneren Stille in Kontakt. Stille ermöglicht besinnlich sein. Einfach still dasitzen, nichts tun, nur die Stille genießen.
Wenn ich schweige, kann ich achtsam zuhören, muss ich mich zurückziehen von der ständigen Präsenz der Medien und Handys. Wenn ich schweige kann ich mich konzentrieren, mich einlassen auf Begegnungen und auf mein Gegenüber. Wenn ich schweige, kann ich nachdenken über mich und die Zustände in der Welt und kann Spannungen leichter aushalten. Kann ich erst ganz bei mir sein, wenn ich schweige? Wenn ich nichts sage und damit einer geschwätzigen Zeit widerspreche?
.
Komm in unsre laute Stadt – Zeit der Stille
Wir singen Vers 5, der ohne Kommentar für sich selbst spricht
Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle,
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.
Gebet
Es beginnt erst der Mensch, wo die Ausbeutung endet,
wo das Brot, das du isst, keinen würgt,
wo die Frau ihren Pfennig nicht tausendmal wendet,
wo das Leben das Leben verbürgt.
Es beginnt erst der Mensch, wo das Sterben verständlich,
weil die Jahre zur Neige gelebt,
und wo endlich der menschliche Friede unendlich,
wo das Schwert keine Gräber mehr gräbt
Es beginnt erst der Mensch, wo die Herzen erklingen,
wo die Flamme der Menschlichkeit brennt,
und wo Hände die toten Steine bezwingen,
wo der Mensch sich zum Menschen bekennt.“
(In: Aktion Politisches Nachtgebet, Wuppertal, 1971, S. 261)
Ankündigung der Kollekte am Ausgang: Am Ausgang der Kirche finden Sie zwei Teller. Einen leeren Teller mit dem Text „Jeder gibt, was er kann“ und einen Teller mit Geld und dem Text „Jeder nimmt, was er braucht“.
Wir singen Vers 1 des Liedes „Komm in unsre stolze Welt“
Komm in unsre stolze Welz, Herr, mit deiner Liebe Werben,.
Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben,
Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.
Hans Graf von Lehndorff (1910-1987), der den Liedtext als Gebet schrieb, war Mitglied der Bekennenden Kirche, Chirurg und Schriftsteller und leitete ein Lazarett in Königsberg, seine Erlebnisse von 1945 bis 1947 nach der Eroberung durch sowjetische Truppen beschrieb er in seinem Buch „Ostpreußisches Tagebuch“. In Bad Godesberg leitete er eine Klinik und arbeitete nach seiner Pensionierung als Krankenhausseelsorger. Er war Mitglied des Johanniterordens und dichtete 1968 „Komm in unsre stolze Welt“.
1968 War die Zeit der studentischen Protestbewegung, einer außerparlamentarischen Opposition, für Frieden und Umweltschutz, Frauenbefreiung und antiautoritäre Erziehung - gegen die unaufgearbeitete nationalsozialistische Vergangenheit, gegen die Verabschiedung der Notstandsgesetze und Atomwaffen, gegen die Wehrpflicht und die Beteiligung der USA am Vietnam-Krieg.
Aus welcher Perspektive nehme ich die Welt wahr?
Aus der Perspektive der Frau in der Einkaufszone, die die Abfalleimer nach Flaschen durchsucht? Aus der des Managers, der sich darüber freut, dass seine Tantiemen steigen? Aus der des Jugendlichen, der auf die Frage, was er werden will, antwortet: „Hartz 4 Empfänger“? Aus der eines Pfarrers mit gesichertem Einkommen? Aus der eines Soldaten in der Ukraine oder im Gaza-Streifen? Aus der eines Flüchtlings aus Syrien?
Kann ich die Perspektive wechseln, kann ich die Lebenssituation anderer Menschen wahrnehmen, auch wenn ich sie nicht teile?
Wo bist du Gott in unserer Welt? Wo kann ich dich suchen?
Wo erfahre ich deine Gegenwart und wo dein Spuren auf dieser blutgetränkten Erde?
*Ein kleines indisches Mädchen aus einem Elendsviertel in Kalkutta sagt: Gott kommt jeden Tag zu mir in einer Handvoll Reis.
*Ein 5-jähriger fragt im Kindergarten: Warum hören die nicht auf mit dem Krieg und reichen sich die Hände?
*In Israel arbeiten israelische und palästinensisch Frauen zusammen in einer Friedensgruppe
*Im „House of One , einem Graswurzelprojekt von der Basis in Berlin arbeiten Menschen interreligiös gegen Antisemitismus und Judenfeindlichkeit
*Juden, Christen und Muslime engagieren sich gemeinsam in deutschen Städten für den Frieden „shalom, Frieden, Salam“
*Im „House of One“ im Heiligen Land leben Juden, Christen und Muslime gemeinsam und beten für den Frieden“
*In Tiflis entsteht eine Interreligiöse „Friedenskathedrale“
*In Deutschland geben christliche Gemeinden Zuflucht im Kirchenasyl.
.
Ich glaube nicht denen, die Waffen einsetzen, um ihre Interessen durchzusetzen, von Frieden sprechen und Eroberung meinen. Frieden konnte noch nie und kann nicht mit Waffen geschaffen werden, sondern fordert immer mehr Tote und Opfer und vergeudet Geld, das dringend benötigt wird im Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheiten auf der Welt.
Das ist mit Unverstand gemeint.
*Menschen engagieren sich ehrenamtlich in der Tafel, in Hospizen, in Behinderteneinrichtungen, in Kosumgenossenschaften, in Fair Trade Gruppen, in Alternativ Banken wie z.B. die Bank „Schenken und Leihen“, in Tauschringen, im Kirchenasyl.
Ich könnte noch lange weiter erzählen von Bespielen in denen sich Frieden und Gerechtigkeit küssen. Wenn wir genau genug hinsehen in unsere Welt, dann entdecken wir viel mehr Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht und Ermutigung, als wir ahnen
Und wenn ich selbst nicht mehr in der Lage bin, mich einzusetzen für Frieden und Gerechtigkeit? Dann kann ich daran denken und dafür beten, dass Frieden und Gerechtigkeit sich küssen. Diese Gebete sind und bleiben nicht wirkungslos. Darauf vertraue und daran glaube ich. So bist du Gott in Gedanken und Gebeten:
Gott, bist du in diesen Gruppen und Menschen in unsere Welt gekommen?
Oder ist das ein vermessener Gedanke? Bist du der Mensch gewordene in diesen Menschen, dann muss ich nicht singen „Komm in unsere stolze Welt“, weil du längst da bist?
Auch an der Seite der Multimillionäre und der Rüstungsindustriellen als Ermutigung zum Teilen und zur Umkehr?
Gott, du überwindest nicht Macht und Geld, wenn wir Menschen uns nicht dafür einsetzen. Ich glaube daran, dass du an meiner Seite bist als Freund und Helfer, Mahner, Beistand und Trost, dann ermutigt mich das, dann muss ich nicht verzweifeln: Was können Minderheiten sonst schon ausrichten gegen Macht und Geld?
Wir singen Vers 2:
Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache,
dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache.
Schaff aus unsrem Überfluss Rettung dem, der hungern muss.
Die Schere zwischen arm und reich geht in unserem reichen Land immer weiter auseinander, die Tantiemen von Vorständen der Aktiengesellschaften steigen und die Armen werden immer ärmer. Ursache dafür ist nicht der Mangel an Geld, sondern seine ungleiche und ungerechte Verteilung. Unser Gott begegnet uns in den Armen und Schwachen. Er weist uns unmissverständlich darauf hin, gleich wer du bist und gleich wie du lebst, versuche die Welt, die Kirche, die Gesellschaft mit den Augen der Geringsten in unserer Gesellschaft zu sehen. Geh in die Altersheime, geh in die Jobcenter, geh in die Flüchtlingsunterkünfte und Obdachlosensiedlungen, sieh wie diese Menschen leben, nimm sie wahr, rede mit ihnen und du erfährst, wie es um ihre Würde bestellt ist, spüre deine Verantwortung, dann wirst du erkennen, wie gerecht oder ungerecht unsere Gesellschaft ist.
Eine Gemeinde, die Arme liebt und Schwache, wird nicht auf Dauer Kirche für die Armen und für die Menschen am Rande sein, die immer zu spät kommt, wenn Menschen schon arm, krank, obdachlos und elend geworden sind. Sie wird über die Kirche mit den Armen zur Gemeinschaft der Armen werden, die auch danach fragt, wie verhindert werden kann, dass Menschen arm und elend werden. Sie wird nicht freiwillig auf ihren Besitz verzichten. Sie wird ihren Besitz und Reichtum verlieren, weil sie in Konflikt gerät mit Ämtern und Behörden und mit wirtschaftlich Mächtigen.
Sie wird hoffen, dass die Teufelskreise vernichtet werden, die Menschen dazu verführen, eher das Technikmögliche als das Menschenmögliche zu tun, Rentabilität und Gewinn für wichtiger zu halten als Leben, Unversehrtheit und Gesundheit des Menschen und als den sanften Umgang mit der Natur und Mitwelt des Menschen.
Die christliche Gemeinde wird dann auch entdecken, dass Hass, Gewalt, Krieg und Rüstung Auswüchse des Wohlstands und des sogenannten Wirtschaftswachstums sind. Sie wird erfahren, dass die Hoffnung auf Frieden am Evangelium der Armen hängt. Leidtragende und Opfer der Rüstung sind auch und gerade die Armen.
So wird für mich die Frage „Wo bist du Gott?“ zum Schrei nach der Gerechtigkeit.
Ja, die ganze Frage, ob es Gott gibt oder nicht, ist für mich eine leere Frage. Entscheidend ist der Schrei nach Gerechtigkeit von unten, der identisch ist mit der Frage nach Gott.
Dieser Schrei nach Gerechtigkeit verstummt häufig und wird oft unterdrückt. Aufgabe der christlichen Gemeinde ist es, ihn öffentlich zu machen. Nicht der barmherzige Gott, der sich den Armen zuwendet, steht dann im Mittelpunkt des Bekennens, sondern der Gott, der die Hoffnung der Armen ist und mit ihnen nach Gerechtigkeit schreit.
Die Gemeinschaft der Christen verwirklicht sich da, wo Menschen am Rande nicht resignieren müssen, wo sie hoffen können, wo eigentlich nichts mehr zu hoffen ist.
Diese Gemeinschaft der Christen wird gelebt und besprochen, erzählt und erfahren, gefeiert und erkämpft im täglichen Kleinkram. Wer im täglichen Elend seinen Nächsten begegnet und ihn kennenlernen kann, wer Auseinandersetzungen um Gerechtigkeit durchsteht, der erlebt geübte Gemeinschaft in kleinen Dingen.
Wir singen Vers 3
Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte,
dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte
für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit
Menschen in ausweglosen, menschenunwürdigen Situationen verstummen. In der lauten Stadt mit Händlern und Marktschreiern, mit shoppenden Kunden werden Obdachlose und Bettler an den Rand der Stadt transportiert, damit sie den Genuss der Einkaufenden nicht stören. Menschen am Rande der Gesellschaft haben keinen Mut mehr, weil sie zusätzlich zu ihrem menschenunwürdigen Leben von sich selbst nichts mehr erwarten. Viele von ihnen erwarten nicht mehr, dass sich etwas ändert. Sie haben die von der Gesellschaft ihnen zudiktierte Schuld übernommen, sie identifizieren sich mit ihrer Lage. „Die da oben machen ja doch mit uns, was sie wollen.“ Sie erwarten nichts mehr von sich, aber auch nicht alles von Gott. Sie versuchen im Alltag über die Runden zu kommen. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“.
Sie haben keine Sicherheiten, keine eigene geistliche Kraft, Erfahrung, Erkenntnis, auf die sie sich berufen, deren sie sich trösten könnten. Sie sind verstummt.
Daher gilt: „Tu den Mund auf für die Stummen!“ (Spr 31,8). Daher gilt: „Da redete der Stumme und das Volk wunderte sich.“ (Lk 7,9).
Komm mit deines Schweigens Mitte: Schweigen ist etwas Anderes als Verstummen!
Eine Theologie, ein Glaube und eine Kirche, die vom und durch das Wort leben, müssen das Schweigen erst wieder entdecken, denn: „Am Anfang war das Wort“.
Im Lärm der lauten Stadt braucht Schweigen Stille. Vermutlich war die Welt nie lauter als sie zurzeit ist. Der äußere Lärm spiegelt sich im inneren Lärm unseres Denkens wider. Wir sind oft in Gedanken verloren.
Wenn wir bewusst schweigen, kommen wir mit unserer inneren Stille in Kontakt. Stille ermöglicht besinnlich sein. Einfach still dasitzen, nichts tun, nur die Stille genießen.
Wenn ich schweige, kann ich achtsam zuhören, muss ich mich zurückziehen von der ständigen Präsenz der Medien und Handys. Wenn ich schweige kann ich mich konzentrieren, mich einlassen auf Begegnungen und auf mein Gegenüber. Wenn ich schweige, kann ich nachdenken über mich und die Zustände in der Welt und kann Spannungen leichter aushalten. Kann ich erst ganz bei mir sein, wenn ich schweige? Wenn ich nichts sage und damit einer geschwätzigen Zeit widerspreche?
.
Komm in unsre laute Stadt – Zeit der Stille
Wir singen Vers 5, der ohne Kommentar für sich selbst spricht
Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle,
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.
Gebet
Es beginnt erst der Mensch, wo die Ausbeutung endet,
wo das Brot, das du isst, keinen würgt,
wo die Frau ihren Pfennig nicht tausendmal wendet,
wo das Leben das Leben verbürgt.
Es beginnt erst der Mensch, wo das Sterben verständlich,
weil die Jahre zur Neige gelebt,
und wo endlich der menschliche Friede unendlich,
wo das Schwert keine Gräber mehr gräbt
Es beginnt erst der Mensch, wo die Herzen erklingen,
wo die Flamme der Menschlichkeit brennt,
und wo Hände die toten Steine bezwingen,
wo der Mensch sich zum Menschen bekennt.“
(In: Aktion Politisches Nachtgebet, Wuppertal, 1971, S. 261)
Ankündigung der Kollekte am Ausgang: Am Ausgang der Kirche finden Sie zwei Teller. Einen leeren Teller mit dem Text „Jeder gibt, was er kann“ und einen Teller mit Geld und dem Text „Jeder nimmt, was er braucht“.